Schlupflider: Was wirklich hilft und wann eine OP mehr Sinn

Dr. Volker Rippmann, Facharzt für ästhetische Chirurgie und Medizin, Portrait in schwarzem Oberteil
Dr. Volker Rippmann
29.06.20266 Minuten min. Lesezeit
Frau hebt Oberlid mit Finger an, Blogbeitrag über hängende Oberlieder und Schlupflid-Korrektur

Wenn Sie morgens in den Spiegel schauen, denken Sie: schon wieder dieser müde Blick. Dabei haben Sie doch gut geschlafen?! Trotzdem wirken die Augen klein und puffy, das Gesicht müde, irgendetwas zieht den Blick nach unten, und so richtig nachvollziehen können Sie es nicht.

Bei vielen ist es dasselbe: Schlupflider. Ein Wort, das sich kaum jemand gern selbst zuschreibt, dabei betrifft es viele Menschen. Daher ist es Zeit, aufzuklären, was Schlupflider eigentlich sind, woher sie kommen, und was tatsächlich etwas bringt..

Was Schlupflider eigentlich sind

Schlupflider entstehen, wenn die Haut am Oberlid mit der Zeit erschlafft und sich wie ein kleiner Vorhang über die Wimpernkante legt. Bei manchen ist es nur ein schmaler Streifen, bei anderen drückt die Haut sichtbar aufs Auge, und genau dann entsteht dieser leidige müde Blick, der bleibt, egal wie viel Schlaf man hatte.

Der kleine Selbsttest, den man vor dem Spiegel zuhause machen kann: geradeaus schauen, Augenbrauen entspannt lassen (nicht hochziehen). Wirkt das Oberlid verdeckt, fällt die Haut fast bis zu den Wimpern, dann sind Schlupflider sehr wahrscheinlich. Bei ausgeprägten Fällen wird sogar das Sichtfeld deutlich enger. Viele heben dann unbewusst die Stirn, um besser zu sehen, und das kann auf Dauer in Spannungskopfschmerzen führen und sogar Migräne begünstigen.

Schlupflider oder Ptosis, wo ist der Unterschied

Schlupflider werden oft mit einer echten Lidsenkung, der sogenannten Ptosis, verwechselt. Der Unterschied ist aber alles andere als Spitzfindigkeit: Beim Schlupflid liegt überschüssige Haut über dem Augenlid. Bei einer Ptosis hängt das ganze Lid tiefer, weil der Lidhebemuskel geschwächt ist.

Bekannt wurde das Thema vor einiger Zeit durch einen BILD-Beitrag mit dem Titel „Bin ich nur müde oder hab ich das auch?". Supermodel Cindy Crawford sprach darin offen über ihre eigene Diagnose, Autorin Mara Pallokat holte sich dazu die medizinische Einordnung bei Dr. med. Volker Rippmann.

„Ptosis bedeutet, dass das Oberlid absinkt, weil der Muskel geschwächt ist oder nicht richtig arbeitet. Dabei sinkt nicht nur Haut, sondern das ganze Lid sitzt tiefer." — Dr. med. Volker Rippmann, im BILD-Interview

Klingt nach Detailfrage, ist aber für die Behandlung entscheidend. Schlupflid: Hautsache. Echte Lidsenkung: Muskelsache. Mit Cremes oder Lasern lässt sich an einem geschwächten Lidhebemuskel schlicht nichts ausrichten. Beim Schlupflid dagegen sitzt das Problem oben, in der Haut, und dort kann man tatsächlich etwas erreichen.

Was sind die Ursachen?

Hauptverantwortlich ist, wie so oft, der stetige Alterungsprozess. Die Haut verliert Kollagen und Elastin, das Bindegewebe wird schwächer, die Spannkraft lässt nach. Das gehört zum Älterwerden wie graue Haare, nur dass es eben am Auge besonders auffällt. Leider ist die Haut rund ums Auge ohnehin schon dünner als sonst im Gesicht, deshalb zeigt sich der Effekt dort meist zuerst.

Manchmal mischt auch die Genetik mit. In manchen Familien ist das so ausgeprägt, dass ein Schlupflid schon Mitte zwanzig auftaucht. „Schlupflider mit 25" ist also kein Mythos, sondern bei entsprechender genetischer Vorbelastung durchaus real.

Seltener aber stecken neurologische Ursachen dahinter. Wenn ein Lid plötzlich tiefer sitzt, vor allem wenn es nur auf einer Seite passiert, gehört das unbedingt ärztlich abgeklärt - und zwar zeitnah.

Und ohne OP? Was Cremes und Co. wirklich bringen

Verständlich, dass die meisten erst die sanfte Schiene probieren wollen. Pflege und Hausmittel haben durchaus ihre Berechtigung, nur sollte man ehrlich sein, was sie leisten können und was nicht.

Eine kühlende Augenpflege, ein Koffein-Serum, Cremes mit Hyaluronsäure: Das alles kann die Augenpartie kurzfristig frischer aussehen lassen. Auch die Klassiker, kalte Teebeutel, Gurkenscheiben, schaffen einen kurzen Frische-Kick. Mehr aber wirklich nicht. Diese Mittel arbeiten an der Hautoberfläche, am Lid selbst ändern sie nichts. Einen erschlafften Lidhebemuskel oder echten Hautüberschuss bekommt man damit nicht in den Griff. Aus Schlupflidern werden so keine glatten Lider, so einfach ist das.

Übungen, Tapes, Make-up: was bringt's wirklich

Augenübungen und Gesichtsgymnastik sind beliebt, kosten nichts und lassen sich jederzeit einbauen. Nur, und das muss man so sagen: Eine sichtbare Erschlaffung des Lidhebemuskels lässt sich nicht wegtrainieren. Diesen Muskel kann man eben nicht gezielt ansteuern wie den Bizeps im Fitnessstudio. Die Wirkung solcher Übungen bleibt darum, ehrlich gesagt, minimal.

Lidtapes heben das Lid für ein paar Stunden an. Schön für den einen Abend, aber keine Lösung auf Dauer. Mit dem richtigen Make-up, hellem Lidschatten in der Lidfalte und einem dünnen Lidstrich lassen sich Schlupflider zudem ganz gut kaschieren. Beides ändert nichts an der Ursache, es überdeckt sie nur, mal besser, mal schlechter.

Es gibt auch sanftere Methoden

Zwischen Creme und OP gibt es eine ganze Bandbreite an Verfahren, die das Lid auch ohne Skalpell straffen können:

  • Laser: gezielte Wärmeimpulse regen die Kollagenbildung an, das Gewebe wird etwas straffer (z.B. CO2-Laser)
  • Radiofrequenz: elektromagnetische Wellen erwärmen tiefere Hautschichten, die Hautfestigkeit soll dadurch zunehmen, das Lid kann sich dadurch minimal anheben
  • Botox und Microneedling: Beides kommt rund um die Augenpartie meist ergänzend zum Einsatz, allein reichen sie bei ausgeprägten Schlupflidern aber selten

Klingt erst mal verlockend, oder?. Dr. Rippmann sagt im BILD-Artikel aber deutlich:

„Leider kommt es dabei auch immer wieder zu punktförmigen, sichtbaren Narben." — Dr. med. Volker Rippmann, im BILD-Interview

Und bei einer echten Lidmuskel-Schwäche stoßen diese Verfahren schnell an ihre Grenzen.

Die Oberlidstraffung, immer noch die wirksamste Lösung

Die Oberlidstraffung, auch Blepharoplastik genannt, ist nach wie vor das, was am meisten bringt. Dabei wird der überschüssige Hautanteil am Oberlid entfernt und das Lid neu in Form gebracht. Klingt nach mehr, als es tatsächlich ist.

„Der Eingriff selbst dauert 30 bis 45 Minuten und wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Nach einer Woche werden die feinen Nähte entfernt und man ist dann schon in den meisten Fällen wieder gesellschaftsfähig." — Dr. med. Volker Rippmann, im BILD-Interview JETZT LESEN

Die feine Schnittführung verläuft in der natürlichen Lidfalte, sodass die Narben nach einigen Monaten so gut wie unsichtbar sind. Die örtliche Betäubung macht das Ganze besonders schonend, eine Vollnarkose ist meistens gar nicht nötig.

Was diesen Weg von allen anderen unterscheidet: Hier wird tatsächlich die Ursache angepackt, nicht nur das Bild im Spiegel überdeckt.

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Wann der Weg zum Facharzt kein Aufschub sein sollte

In den meisten Fällen ist die Sache rein kosmetisch, aber eben nicht immer. Den Termin beim Facharzt für Plastische Chirurgie sollte man nicht aufschieben, wenn:

das Sichtfeld merklich eingeschränkt ist

ein Augenlid plötzlich oder einseitig tiefer sitzt

man sich im Alltag stark belastet fühlt oder Kopfschmerzen dazukommen

Plötzliche Veränderungen an einem Lid gehören generell in ärztliche Hände, sie können neurologische Hintergründe haben. Ein guter Facharzt erklärt das nüchtern und drängt zu nichts, was nicht wirklich nötig ist.

Themen, die Patient*innen oft beschäftigen

Was am besten gegen Schlupflider hilft, hängt am Ende vom eigenen Befund ab: Cremes und Hausmittel schaffen kurzfristige Frische, ein operativer Eingriff geht an die Ursache. Nicht-operative Behandlung ist bei leichten Befunden durchaus eine Option, Laser oder Radiofrequenz zeigen dort Wirkung, sehr ausgeprägte Fälle bleiben aber meist Sache der Chirurgie.

Hängende Lider können in jedem Alter auftreten, häufen sich aber ab Mitte vierzig, mit ausgeprägter genetischer Veranlagung mitunter deutlich früher. Medizinisch notwendig wird ein Eingriff dann, wenn die Schlupflider das Sichtfeld einengen oder echte Beschwerden verursachen, dann ist es keine reine Schönheitsfrage mehr.

Schmerzen während des Eingriffs muss man dank der lokalen Betäubung nicht fürchten, in den ersten Tagen danach ist ein leichtes Spannungsgefühl normal, das aber rasch nachlässt. Das Ergebnis hält in der Regel sehr lange, viele profitieren zehn Jahre und mehr davon, wie lange genau hängt vom individuellen Hautzustand ab. Und die Narben verblassen mit der Zeit so, dass sie im Alltag kaum noch auffallen, weil die feine Schnittführung eben in der Lidfalte verläuft.

Dr. Volker Rippmann, Facharzt für ästhetische Chirurgie und Medizin, Portrait in schwarzem Oberteil

Über unseren Experten

Dr. med. Volker Rippmann ist Facharzt für Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie. Er wurde von BILD als Experte zum Thema Schlupflider zitiert und gehört heute zu unserem Ärzteteam der Metropolitan Clinic in Zürich. Wer tiefer einsteigen möchte: Im BILD-Beitrag mit Cindy Crawford kommt er ausführlich zu Wort und erläutert auch die Behandlungswege am Augenlid im Detail.Wir weisen darauf hin, dass dieser Artikel der allgemeinen Information dient und kein ärztliches Beratungsgespräch ersetzt.

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